Wir trauern um Miloš Volf

In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 2012 ist Miloš Volf im Alter von 87 Jahren in Tábor verstorben.

KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Foto: Bernhard Neumann

Miloš Volf wurde am 2. Juni 1924 in Tábor in Südböhmen geboren. Hier wuchs er auf, besuchte das Gymnasium und half im Kolonialwarengeschäft seines Vaters mit. Nach der Besetzung des Landes beteiligte sich die Familie Volf am Widerstand. Der 15-jährige Miloš arbeitete als Verbindungsmann der Untergrundbewegung. Seine Eltern versteckten gesuchte Personen vor der Gestapo. Im Februar 1943 wurde die gesamte Familie verhaftet.

Nach brutalen Verhören und monatelanger Gefängnishaft wurde Miloš Volf Anfang 1944 zusammen mit seinem Vater in das KZ Flossenbürg transportiert. Dort mussten beide zuerst im Steinbruch arbeiten, dann im Flugzeugbau für die Firma Messerschmitt. Sein künstlerisches Talent half Miloš Volf zu überleben: Er malte für Kapos und SS-Männer, wofür er zusätzliche Nahrung erhielt. Heimlich zeichnete er aber auch Karikaturen über das unmenschliche Leben im Lager. Im April 1945 wurden Vater und Sohn auf dem Todesmarsch befreit.

Sie kehrten nach Tábor zurück. Auch die Mutter hatte ihre Haft im KZ Ravensbrück überlebt. In der sozialistischen Tschechoslowakei wurde die demokratisch gesinnte Familie erneut verfolgt. Der Vater musste Ende der 40er Jahre erneut in ein Arbeitslager. Miloš Volf verlor nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968 seine Stelle beim tschechischen Kinderfernsehen.

Bis ins hohe Alter widmete er sich der deutsch-tschechischen Versöhnungsarbeit, vertrat die Gruppe der ehemaligen tschechischen Häftlinge des KZ Flossenbürg und engagierte sich im wissenschaftlichen Fachbeirat der Gedenkstätte.

Noch am 27. Januar wurde er für sein künstlerisches Werk im Rahmen des Gedenkaktes des Bayerischen Landtags für die Opfer des Nationalsozialismus geehrt. Das P-Seminar Kunst  am Elly-Heuss-Gymnasium Weiden präsentierte ein selbsterstelltes Werkverzeichnis mit der Biographie und grafischen Arbeiten des tschechischen Künstlers. Miloš Volfs Tochter Jaroslava Štefflová  nahm das Buch in Vertretung ihres Vaters entgegen.

Miloš Volfs Tod bedeutet einen großen Verlust für den Erinnerungsort Flossenbürg, welchen er als Zeitzeuge durch viele Vorträge und bei der Jugendarbeit mit großem persönlichem Einsatz unterstützte. Den Mitarbeitern der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wird er als Sinnbild für Herzensgüte in Erinnerung bleiben. Trotz seiner bitteren Erfahrungen war Miloš Volf selbst nie verbittert, sondern trat für Freundschaft zwischen den Menschen und den Völkern ein.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Dr. Jörg Skriebeleit und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg


Rückkehr - Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von Vittore Bocchetta

Ausstellung vom 25.01. bis 13.04.2012

Die Vernissage findet am Dienstag, den 24. Januar 2012, um 18 Uhr statt.

Redner: Dr. Jörg Skriebeleit (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg), Dr. Alexander Schmidt (Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände), Dr. Thomas Heyden (Neues Museum Nürnberg) und Prof. Vittore Bocchetta

...Einladung

Ort: Ehemalige Häftlingsküche, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Vittore Bocchetta, geboren 1918 in Verona, wurde als italienischer Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten 1944 in das KZ Flossenbürg, später in das Außenlager Hersbruck deportiert. Seine Erfahrungen verarbeitete Bocchetta Jahrzehnte danach in Zeichnungen, Ölgemälden und Skulpturen.

Während einige Werke die Erlebnisse der Jahre 1940-1945 direkt ansprechen, verdichten sich in anderen diese Ereignisse zu einer Grenzerfahrung menschlicher Existenz.

In Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Neues Museum Nürnberg, Freundeskreis Vittore Bocchetta Non Dimenticare e.V.



Offene Führungen in den Wintermonaten

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg bietet offene Führungen für Einzelbesucher in den Wintermonaten an.

Weitere Informationen finden Sie hier.


Die zwei Leben des Jack Terry

Filmpräsentation und Gespräch

Dienstag, 31. Januar 2012, um 19 Uhr in der Regionalbibliothek Weiden

Gast: Dr. Jack Terry - Ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Flossenbürg.
Moderation: Dr. Jörg Skriebeleit – Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

ZDFneo hat Jack Terry auf eine Reise durch seine zwei Leben begleitet. Sie führt zunächst nach New York, wo Terry sein zweites Leben genießt - und in sein erstes, grausames Leben: ins besetzte Polen und in das ehemalige KZ Flossenbürg in der Oberpfalz.

Tickets im Vorverkauf können Sie hier bestellen.

Zusatztermin am Donnerstag, 2. Februar 2012, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Flossenbürg

Die Veranstaltung wird gefördert durch das Bündnis "Weiden ist bunt" im Rahmen des Bundesprogramms "TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN".


Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Der Bayerische Landtag begeht den diesjährigen Gedenktag in Weiden und Flossenbürg

Der Gedenkakt am 27.1.2012 wird unter der Beteiligung von Schulen aus der Oberpfalz im Elly-Heuss-Gymnasium Weiden ab 11.30 Uhr begangen (nicht öffentliche Veranstaltung). Die Veranstaltung des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten wird vom Bayerischen Fernsehen live übertragen. Im Anschluß findet gegen 14.30 Uhr eine Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg statt, zu der auch Gäste herzlich eingeladen sind.

TV-Programmhinweis: Verbrechen Liebe

Bayerisch-polnische Schicksale in der NS-Zeit

Es war verboten. Lebensgefährlich. Aber oft waren die Gefühle stärker. Und so verliebten sich bayerische Frauen im 2. Weltkrieg in polnische Zwangsarbeiter. Die Strafe: das KZ oder der Tod.

Ein Bericht von: kontrovers, das Politikmagazin des Bayerischen Fernsehens
Sendung am: Mittwoch 25. Januar 2012, 21.15 Uhr

... weitere Details

... Sendung nachsehen in der BR-Mediathek


Öffnungszeiten während der Feiertage

Bitte beachten Sie, dass die KZ-Gedenkstätte am 24. / 25. / 26. und 31. Dezember sowie am 1. Januar geschlossen ist.

Weitere Informationen zu unseren regulären Öffnungszeiten finden Sie hier.


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