31.01.2018

»209 Häftlinge mittels Sammeltransport überstellt.« – Die »Sonderbehandlung 14f13« und das Konzentrationslager Flossenbürg

Vortrag von Julius Scharnetzky, M.A., am 22. Februar 2018

Der vielfach ausgezeichnete Sportler Eugen Plappert, um 1930, Staatsarchiv Amberg. Wegen seines Alters und eines Nervenleidens bringt ihn die SS zusammen mit über 200 weiteren Gefangenen in die Tötungsanstalt Bernburg. Am 12. Mai 1942 wird er in Bernburg mit Gas ermordet.

»209 Häftlinge – Sonderbehandlung – wurden heute am 12.5.42  um 06.00 Uhr ab FLOSSENBÜRG nach BERNBURG/Saale Bahnstation KOETHEN ANH mittels Sammeltransport überstellt« so die Meldung des Kommandanten des KZ Flossenbürg Karl Künstler an die Inspektion der Konzentrationslager. Kurz nach der Ankunft ließ die SS die Häftlinge in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg umbringen. Einige Wochen später kam der persönliche Besitz der Ermordeten zurück nach Flossenbürg. An die Angehörigen verschickte die SS Todesnachrichten mit gefälschten Angaben.

Die Mordaktion war eine der letzten im Rahmen der »Sonderbehandlung 14f13«, der insgesamt mehr als 10.000 Häftlinge aus Konzentrationslagern zum Opfer fielen. Benannt wurde sie nach dem Aktenzeichen, unter dem der Schriftverkehr zu den Tötungen geführt wurde.

Seit Herbst 1939 wurden behinderte Menschen in Heil- und Pflegeanstalten gezielt ermordet. 1941 weitete die SS diese Aktion auf arbeitsunfähige KZ-Gefangene aus und ließ sie in den Tötungsanstalten Sonnenstein, Bernburg an der Saale und Hartheim ermorden. Unterstützt wurde sie dabei personell und logistisch von der »Organisation T4«, die seit 1940 den Mord an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen verantwortete. »T4«-Gutachter reisten ab April 1941 in die verschiedenen Lager, um die Opfer zu selektieren. Im Rahmen der als medizinische Untersuchungen getarnten Selektionen entschieden die »T4«-Ärzte innerhalb weniger Minuten über Leben und Tod. Den Häftlingen wurden vorgetäuscht, sie würden in leichtere Arbeitskommandos oder Erholungsheime verlegt. Im Konzentrationslager Flossenbürg wurden im Mai 1942 bis auf wenige Ausnahmen alte und versehrte Gefangene selektiert. Einige Monate später stellte die SS die »Sonderbehandlung 14f13« ein und ging dazu über, die Massentötungen in den Lagern selbst durchzuführen.

Julius Scharnetzky, wissenschaftlicher Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, beleuchtet in seinem Vortrag die Rahmenbedingungen, Phasen und Dimensionen der »Sonderbehandlung 14f13« am Beispiel des Konzentrationslagers Flossenbürg. Er berichtet über die neuesten Forschungsergebnisse und nimmt die Verantwortlichen der Aktion und deren Opfer in den Blick.

Beginn: 19 Uhr
Veranstaltungsort: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Bildungszentrum, Silberhüttenstraße 42

Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms zur Wechselausstellung »In Memoriam. Krankenmorde im Nationalsozialismus«, die noch bis zum 31. Mai in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zu sehen ist. Öffentliche Führungen jeden zweiten Sonntag im Monat um 11 Uhr.