Thomas Muggenthaler
Verbrechen Liebe

Von polnischen Männern und deutschen Frauen:
Hinrichtungen und Verfolgung in Niederbayern und der Oberpfalz während der NS-Zeit,
Vorwort von Jörg Skriebeleit

Viechtach 2010
lichtung verlag
ISBN 978-3-929517-48-4
14,80 €

Thomas Muggenthaler erinnert an ein völlig vergessenes Kapitel nationalsozialistischer Verbrechen: Die Hinrichtungen von Zwangsarbeitern in Niederbayern und der Oberpfalz. Der Journalist entdeckte im Staatsarchiv Amberg einen umfangreichen Akt, der die Exekutionen von 22 Polen belegt, die von 1941 bis 1943 in der Nähe ihres Arbeitsplatzes erhängt wurden. Thomas Muggenthaler dokumentiert zudem die Schicksale von vier Zwangsarbeitern, die in Konzentrationslagern hingerichtet wurden oder dort gestorben sind.
Der Autor erzählt im dritten Kapitel des Buches die Geschichte zweier polnischer Zwangsarbeiter, die das Glück hatten, ihre Verfolgung zu überleben.

Vielfach war der Grund für die Hinrichtungen ein verbotenes Liebesverhältnis mit einer deutschen Frau. Verantwortlich für diese sogenannten „Sonderbehandlungen“ waren die  Geheime Staatspolizei in Regensburg und das Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Prozesse gab es nicht. Die Hinrichtungen vollzogen Kommandos aus den Konzentrationslagern Flossenbürg und Dachau. Die Opfer wurden meist etwa ein halbes Jahr vor ihrer Hinrichtung verhaftet und in Gefängnissen der Region, aber auch im KZ Flossenbürg inhaftiert, bis die Entscheidung über Tod oder Leben gefallen war. Die Tatorte lagen immer etwas außerhalb der Dörfer, in denen die Männer beschäftigt waren. Zur Abschreckung wurden die polnischen Zwangsarbeiter aus der Umgebung an dem Erhängten vorbei geführt. Später fanden diese Exekutionen im KZ Flossenbürg statt. In den 1950er Jahren sichtete die Justiz in einem Verfahren gegen ehemalige Gestapo-Leute die NS-Akten und ließ Beteiligte vernehmen.

Der Autor leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung eines vernachlässigten Kapitels der Geschichte des Dritten Reiches in Niederbayern und der Oberpfalz. Er zeichnet das verbrecherische Wirken der Gestapo-Stelle Regensburg nach und verdeutlicht, wie das KZ Flossenbürg in das nationalsozialistische Repressionssystem in Niederbayern und der Oberpfalz eingebunden war. Thomas Muggenthaler studierte nicht nur die Akten. Er recherchierte in den betreffenden Orten und suchte Zeitzeugen. Er stieß auf bewegende Liebesgeschichten, dramatische Ereignisse und Morde, die heute weitgehend tabuisiert sind. Der Autor traf Frauen, die wegen ihrer Liebesverhältnisse mit polnischen Männern in das KZ Ravensbrück verschleppt wurden. Er sprach mit Kindern aus solchen Verbindungen. Manche erfuhren erst durch diese Gespräche Genaueres über das Schicksal der Eltern. Oft liegt in den Orten und in den Familien noch heute ein Mantel des Schweigens über diesen Verbrechen. Dem Autor gelang es auch, mit Angehörigen der Ermordeten in Polen Kontakt aufzunehmen. Auch mit deren Hilfe war es möglich, an diese Opfer des Faschismus zu erinnern, ihre Namen und ihre Geschichte nicht völlig in Vergessenheit geraten zu lassen.

Thomas Muggenthaler, geboren 1956, aufgewachsen in Waffenbrunn und Cham, Studium der Politischen Wissenschaften und Soziologie. Arbeitet als Journalist beim Bayerischen Rundfunk, lebt in Regensburg. Autor zahlreicher zeitgeschichtlicher Hörfunksendungen, insbesondere zum KZ Flossenbürg.
Im Jahr 2005 erschien das Buch „Ich lege mich hin und sterbe! - Ehemalige Häftlinge des KZ Flossenbürg berichten“.
Im lichtung verlag kam 2003 das Buch heraus „Wir hatten keine Jugend“ – Zwangsarbeiter erinnern sich an ihre Zeit in Bayern.

Dr. Jörg Skriebeleit
, geboren 1968, seit 1999 Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
Publikationen zur Erinnerungskultur und zur Geschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg, u.a. Autor des Buches Erinnerungsort Flossenbürg – Akteure, Zäsuren, Geschichtsbilder (2009), erschienen im Wallstein Verlag.


 
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