Ort

Was bleibt von den Or­ten des KZ-Kom­ple­xes Flos­sen­bürg? Die meis­ten Au­ßen­la­ger ha­ben kaum Spu­ren hin­ter­las­sen. Vor al­lem das Er­schei­nungs­bild des frü­he­ren Haupt­la­gers hat sich seit der Be­frei­ung im April 1945 grund­sätz­lich ver­än­dert.

Mit der An­kunft ame­ri­ka­ni­scher Ein­hei­ten hört das KZ Flos­sen­bürg auf zu exis­tie­ren. Die bau­li­chen Über­res­te des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers ver­lie­ren ih­re ur­sprüng­li­che Be­stim­mung. Was bleibt, ist ein rie­si­ges Ge­län­de. Auf ihm be­fin­den sich Häft­lings­ba­ra­cken, SS-Ge­bäu­de, Hin­rich­tungs­stät­ten, ein Kre­ma­to­ri­um, Hal­den mit Asche und mensch­li­chen Über­res­ten. Die­sen Tat­ort do­ku­men­tie­ren die Be­frei­er.

Die US Ar­my ord­net die Be­stat­tung der nach der Be­frei­ung ver­stor­be­nen Häft­lin­ge im Orts­kern von Flos­sen­bürg an. Die­se To­ten­eh­rung zieht spä­ter mit dem ers­ten KZ-Denk­mal in Flos­sen­bürg ei­nen ma­ni­fes­ten Ein­griff im Ort Flos­sen­bürg selbst nach sich.

Der größ­te Teil des Ge­län­des wird schon un­mit­tel­bar nach der Auf­lö­sung des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers wei­ter ver­wen­det. Da­bei geht es nicht nur um ei­ne prag­ma­ti­sche Nach­nut­zung des Are­als und der Bau­ten. Die Ba­ra­cken die­nen der US-Mi­li­tär­ver­wal­tung, dem Land­kreis und der Kom­mu­ne zu­nächst als Un­ter­kunft für Kriegs­ge­fan­ge­ne, Hei­mat­lo­se und Ver­trie­be­ne. Gleich­zei­tig fin­det ei­ne ge­ziel­te An­eig­nung statt mit dem Ziel, das »Ge­dächt­nis des Or­tes« und da­mit die Er­in­ne­rung an die Ver­bre­chen zu til­gen.

En­de der 1950er Jah­re er­rich­tet die Ge­mein­de auf den Fun­da­men­ten der Ba­ra­cken ei­ne Sied­lung mit Ei­gen­hei­men. Das frü­he­re La­ger wird zum Wohn­ort. Der Frei­staat Bay­ern er­klärt den ehe­ma­li­gen Ap­pell­platz zum Ge­wer­be­ge­biet. In der La­ger­wä­sche­rei und der Häft­lings­kü­che pro­du­zie­ren ver­schie­de­ne Fir­men In­dus­trie­gü­ter.


Siedlungsbau auf dem ehemaligen KZ-Gelände, Ende der 1950er Jahre
Siedlungsbau auf dem ehemaligen KZ-Gelände,  Ende der 1950er Jahre

Der Ort Flos­sen­bürg über­baut und ver­drängt das ehe­ma­li­ge La­ger­ge­län­de nicht nur to­po­gra­phisch. Auch sym­bo­lisch wird die Ge­denk­stät­te ver­harm­lost und – zum Bei­spiel zu tou­ris­ti­schen Zwe­cken – in das ei­ge­ne Orts­bild in­te­griert.

Die we­ni­gen bau­li­chen Res­te des La­gers fal­len in den Fol­ge­jah­ren der ak­ti­ven Ver­nach­läs­si­gung an­heim. Die staat­li­che Ge­denk­stät­ten­ver­wal­tung leis­tet die­ser Ein­he­gung des his­to­ri­schen Or­tes mit der Um­wand­lung in ei­nen park­ähn­li­chen Fried­hof be­wusst Vor­schub. Qua­si un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit er­öff­net sie ei­ne ers­te Do­ku­men­ta­ti­on zur La­ger­ge­schich­te.

Erst seit 1998 wer­den bau­li­che Über­res­te des La­gers kon­se­quent in die Ge­stal­tung der Ge­denk­stät­te ein­be­zo­gen. Der heu­ti­ge Ort des ehe­ma­li­gen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers trägt die Spu­ren all die­ser Nut­zun­gen und Um­for­mun­gen in sich. In ih­nen zeigt sich die je­wei­li­ge Hal­tung der Ver­ant­wort­li­chen im Um­gang mit dem Er­be des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers nach 1945. 2007 ent­steht im his­to­ri­schen Ge­bäu­de der Wä­sche­rei ei­ne um­fas­sen­de Aus­stel­lung zur La­ger­ge­schich­te.


 
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