Täter
Nach der Befreiung des KZ Flossenbürg und seiner Außenlager beginnen die Alliierten sofort mit der Fahndung nach den Tätern. Viele können sich jedoch der Strafverfolgung entziehen. In allen Besatzungszonen finden Prozesse gegen KZ-Wachmannschaften und Funktionshäftlinge wie der Dachauer Flossenbürg-Prozess statt, die mit vielen Todesurteilen und teils hohen Haftstrafen enden.
Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung befürwortet zunächst die Bestrafung der so genannten Kriegsverbrecher. Häftlingsverbände unterstützen die Suche nach Schuldigen. Der Strafvollzug stößt jedoch bald auf Proteste. In der Bundesrepublik werden alliierte Gerichte als »Siegerjustiz« diffamiert, viele Politiker fordern einen Schlussstrich. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR werden die meisten Täterinnen und Täter nach wenigen Jahren entlassen. In den Verfahren gegen einige Täter, so etwa im Prozess gegen Huppenkothen und Thorbeck, spiegelt sich auch eine langsam sich wandelnde Einstellung gegenüber Mitgliedern des Widerstands, die dem NS-Regime auch in Flossenbürg zum Opfer fielen.
Der Kalte Krieg sorgt seit Ende der 50er Jahre dafür, dass sich die bundesdeutsche Politik und Gesellschaft mit der Strafverfolgung befassen müssen. Die DDR lanciert Kampagnen gegen die teils zutreffende, teils behauptete Verstrickung der bundesdeutschen Eliten in das NS-System. Dadurch lenkt sie den Blick auf die Schreibtischtäter, die in Wirtschaft, Justiz und Verwaltung maßgeblich an Verbrechen beteiligt waren. Der Bundestag verlängert schrittweise die Verjährungsfrist für Mord.
Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen beginnt 1958 mit Ermittlungen zu national-sozialistischen Verbrechen. Sie leistet grundlegende Aufklärungsarbeit, unter anderem zu Verbrechen im KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern. Allerdings führen ihre Erkenntnisse nur in seltenen Fällen zur Bestrafung von Tätern. So ist es wenig erstaunlich, dass lange Zeit und an vielen Orten Persönlichkeiten gewürdigt und rehabilitiert werden, die an der Ausbeutung von KZ-Häftlingen teils maßgeblich beteiligt waren.
In den 1980er Jahren erweitern vor allem lokalhistorische Forschungen das Täterbild. Sie untersuchen die Rolle derjenigen, die von der Ausbeutung der Häftlinge profitiert haben, vor allem große Unternehmen. Auf der anderen Seite machen sich Gruppierungen bemerkbar, die historische Aufklärung als Lüge diffamieren. Rechtsradikale schänden die Gedenkstätte.
Die Androhung von Klagen sowie eine breite gesellschaftliche Diskussion führen schließlich dazu, dass die deutsche Wirtschaft Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter leistet. Daneben sorgen Prozesse wie der gegen den ukrainischen Wachmann Iwan Demjanjuk für anhaltende Diskussionen.
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