Täter

Nach der Be­frei­ung des KZ Flos­sen­bürg und sei­ner Au­ßen­la­ger be­gin­nen die Al­li­ier­ten so­fort mit der Fahn­dung nach den Tä­tern. Vie­le kön­nen sich je­doch der Straf­ver­fol­gung ent­zie­hen. In al­len Be­sat­zungs­zo­nen fin­den Pro­zes­se ge­gen KZ-Wach­mann­schaf­ten und Funk­ti­ons­häft­lin­ge wie der Dach­au­er Flos­sen­bürg-Pro­zess statt, die mit vie­len To­des­ur­tei­len und teils ho­hen Haft­stra­fen en­den.

Die Mehr­heit der deut­schen Be­völ­ke­rung be­für­wor­tet zu­nächst die Be­stra­fung der so ge­nann­ten Kriegs­ver­bre­cher. Häft­lings­ver­bän­de un­ter­stüt­zen die Su­che nach Schul­di­gen. Der Straf­voll­zug stößt je­doch bald auf Pro­tes­te. In der Bun­des­re­pu­blik wer­den al­li­ier­te Ge­rich­te als »Sie­ger­jus­tiz« dif­fa­miert, vie­le Po­li­ti­ker for­dern ei­nen Schluss­strich. So­wohl in der Bun­des­re­pu­blik als auch in der DDR wer­den die meis­ten Tä­te­rin­nen und Tä­ter nach we­ni­gen Jah­ren ent­las­sen. In den Ver­fah­ren ge­gen ei­ni­ge Tä­ter, so et­wa im Pro­zess ge­gen Hup­pen­ko­then und Thor­beck, spie­gelt sich auch ei­ne lang­sam sich wan­deln­de Ein­stel­lung ge­gen­über Mit­glie­dern des Wi­der­stands, die dem NS-Re­gime auch in Flos­sen­bürg zum Op­fer fie­len.

Der Kal­te Krieg sorgt seit En­de der 50er Jah­re da­für, dass sich die bun­des­deut­sche Po­li­tik und Ge­sell­schaft mit der Straf­ver­fol­gung be­fas­sen müs­sen. Die DDR lan­ciert Kam­pa­gnen ge­gen die teils zu­tref­fen­de, teils be­haup­te­te Ver­stri­ckung der bun­des­deut­schen Eli­ten in das NS-Sys­tem. Da­durch lenkt sie den Blick auf die Schreib­tisch­tä­ter, die in Wirt­schaft, Jus­tiz und Ver­wal­tung maß­geb­lich an Ver­bre­chen be­tei­ligt wa­ren. Der Bun­des­tag ver­län­gert schritt­wei­se die Ver­jäh­rungs­frist für Mord.


Dachauer Flossenbürg-Prozess, 1946/47<br>(Association de Flossenbürg, Paris)
Dachauer Flossenbürg-Prozess, 1946/47

Die Zen­tra­le Stel­le der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tun­gen be­ginnt 1958 mit Er­mitt­lun­gen zu na­tio­nal-so­zia­lis­ti­schen Ver­bre­chen. Sie leis­tet grund­le­gen­de Auf­klä­rungs­ar­beit, un­ter an­de­rem zu Ver­bre­chen im KZ Flos­sen­bürg und sei­nen Au­ßen­la­gern. Al­ler­dings füh­ren ih­re Er­kennt­nis­se nur in sel­te­nen Fäl­len zur Be­stra­fung von Tä­tern. So ist es we­nig er­staun­lich, dass lan­ge Zeit und an vie­len Or­ten Per­sön­lich­kei­ten ge­wür­digt und re­ha­bi­li­tiert wer­den, die an der Aus­beu­tung von KZ-Häft­lin­gen teils maß­geb­lich be­tei­ligt wa­ren.

In den 1980er Jah­ren er­wei­tern vor al­lem lo­kal­his­to­ri­sche For­schun­gen das Tä­ter­bild. Sie un­ter­su­chen die Rol­le der­je­ni­gen, die von der Aus­beu­tung der Häft­lin­ge pro­fi­tiert ha­ben, vor al­lem gro­ße Un­ter­neh­men. Auf der an­de­ren Sei­te ma­chen sich Grup­pie­run­gen be­merk­bar, die his­to­ri­sche Auf­klä­rung als Lü­ge dif­fa­mie­ren. Rechts­ra­di­ka­le schän­den die Ge­denk­stät­te.

Die An­dro­hung von Kla­gen so­wie ei­ne brei­te ge­sell­schaft­li­che Dis­kus­si­on füh­ren schließ­lich da­zu, dass die deut­sche Wirt­schaft Zah­lun­gen an ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­ter leis­tet. Da­ne­ben sor­gen Pro­zes­se wie der ge­gen den ukrai­ni­schen Wach­mann Iwan Dem­jan­juk für an­hal­ten­de Dis­kus­sio­nen.


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