Überlebende

Befreite Häftlinge vor der Kommandantur, Mai 1945
Befreite Häftlinge vor der Kommandantur, Mai 1945

Im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Flos­sen­bürg und sei­nen Au­ßen­la­gern wa­ren 100.000 Men­schen ge­fan­gen, 30.000 von ih­nen gin­gen wäh­rend ih­rer Ge­fan­gen­schaft zu­grun­de. Was bleibt für die­je­ni­gen, die das Grau­en der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger über­lebt ha­ben?

Zu­nächst geht es für die be­frei­ten Häft­lin­ge um das pu­re Über­le­ben. Wai­sen­kin­der ma­chen sich auf die Su­che nach An­ge­hö­ri­gen. Ih­nen kommt der un­ge­heu­re Ver­lust zu Be­wusst­sein, der mit Ver­fol­gung und Haft ver­bun­den war.

Vie­le Über­le­ben­de hal­ten sich für ei­ne Über­gangs­zeit im Land der Tä­ter auf; zwi­schen Ret­tung und neu­em Le­ben fin­den sie in DP-La­gern Un­ter­stüt­zung und schlie­ßen sich mit Lei­dens­ge­nos­sen zu­sam­men. Schließ­lich keh­ren sie in ih­re al­te Hei­mat zu­rück oder ver­su­chen ei­nen Neu­an­fang, in­dem sie sich ei­ne neue Hei­mat schaf­fen. Die Ver­fol­gung wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, die Er­leb­nis­se der La­ger­haft be­glei­ten sie wei­ter.


Um Un­ter­stüt­zung und Ent­schä­di­gung muss viel­fach ge­strit­ten wer­den. Ge­sell­schaft­li­che An­er­ken­nung wird nur aus­ge­wähl­ten Grup­pen von Über­le­ben­den zu­teil. Um­ge­kehrt wird der Be­zug zur Ge­denk­stät­te Flos­sen­bürg nur von we­ni­gen Ver­bän­den ehe­ma­li­ger Häft­lin­ge in Er­in­ne­rung ge­hal­ten, so bei den Pil­ger­fahr­ten der fran­zö­si­schen »As­so­cia­ti­on de Flos­sen­bürg«. Vie­le Grup­pen kämp­fen ak­tiv um ih­re Re­ha­bi­li­ta­ti­on, et­wa Sin­ti und Ro­ma durch ei­nen Hun­ger­streik in Dach­au.

Der 50. Jah­res­tag der Be­frei­ung 1995 ist für Flos­sen­bür­ger Häft­lin­ge ei­ne Zä­sur. Of­fi­zi­el­le Ge­denk­fei­ern, ei­ne in­ter­na­tio­na­le Ju­gend­be­geg­nung, Ge­sprä­che mit Schü­lern und Schü­le­rin­nen fin­den nun re­gel­mä­ßig statt. Die Über­le­ben­den sind als Zeit­zeu­gen es­sen­ti­ell für die Ar­beit der Ge­denk­stät­te, die sich in Fol­ge als his­to­ri­scher Lern­ort am ehe­ma­li­gen KZ Flos­sen­bürg ent­wi­ckelt.

Um­ge­hens­wei­sen mit dem Er­lit­te­nen ent­wi­ckeln die ehe­ma­li­gen Häft­lin­ge ganz in­di­vi­du­ell. Ei­ni­ge do­ku­men­tie­ren die er­leb­ten Ver­bre­chen, an­de­re set­zen sich in künst­le­ri­scher Form mit ih­rer KZ-Ge­fan­gen­schaft aus­ein­an­der. In vie­len Fa­mi­li­en wird mit der Zeit auch die Ge­ne­ra­ti­on der Kin­der in die­se Aus­ein­an­der­set­zung ein­be­zo­gen.

 
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