27.07.2009 · www.oberpfalznetz.de

"Euer Vermächtnis bleibt erhalten"

Feierstunde mit 500 Teilnehmern in KZ-Gedenkstätte

Auch wenn es sich alle Jahre wiederholt, zum Ritual ist es nicht geworden. Mehr als 70 Überlebende des KZ-Terrors aus 18 Nationen kehrten am Wochenende an den Ort zurück, wo für sie von 1938 bis 1945 Leid, Grausamkeiten und Tod allgegenwärtig waren. Vorgestellt wurde bei der Feierstunde in der Gedenkstätte Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN) das von den Überlebendenvertretern aller deutschen Konzentrationslager verfasste "Vermächtnis".

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25.07.2009 · www.oberpfalznetz.de

Erzählen vom Unvorstellbaren

"Jakubs Welt" - Die Erinnerungen des Jack Terry, von Jack Terry und Alicia Nitecki, 142 Seiten, München 2005, 1. Auflage.

KZ-Überlebende Jack Terry und David Arben sprechen über ihre Erlebnisse in Flossenbürg

Weiden. (wüw) Vor Beginn wirkten einige Wirtschaftsschüler etwas desinteressiert. Als die Veranstaltung dann losging, war davon nichts mehr zu merken. Die Schüler hörten gebannt zu, obwohl in den folgenden zwei Schulstunden hauptsächlich englisch gesprochen wurde.

Mit Jack Terry und David Arben waren zwei Überlebende des Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg nach Weiden gekommen, um mit den Schülern der Klassen 9Ha und 9Hb sowie der Projektgruppe KZ Flossenbürg über ihre Erlebnisse zu sprechen. Als die beiden 1945 aus der Haft befreit wurden, waren sie etwa im Alter eben dieser Schüler und hatten in den Jahren davor unvorstellbare Qualen erleben müssen.

Das Buch gibt es kostenlos bei der Landeszentrale für Politische Bildung in München.

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13.05.2009 · www.sueddeutsche.de

Demjanjuk und die Schuld

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher John Demjanjuk in den Händen der Justiz: Im wohl letzten NS-Prozess geht es nicht um Strafe. Es geht darum, Unrecht festzuhalten.

Heute sind sie gebrechlich, tatterig und schwerhörig. Damals, vor unendlich langer Zeit, haben die Männer, die heute auf die neunzig zugehen, im Schlachthaus der Weltgeschichte für "Ruhe und Ordnung" gesorgt. Sie haben hungernde Kinder Kot fressen lassen und sie anschließend erschossen. Sie haben getötet - wen, wenn und wann sie wollten; grausam, nach Laune, tausend- und zehntausendfach.

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12.05.2009 · www.oberpfalznetz.de

Leberkäse und Kartoffelbrei für den Gefangenen aus den USA

John Demjanjuk bei Ankunft in Deutschland wach und ansprechbar

München. (AFP) Am Ende war er fast pünktlich. Um 09.12 Uhr sollt der Jet mit John Demjanjuk an Bord eigentlich landen, er tat es um 09.15 Uhr. Streifenwagen geleiteten das Flugzeug in einen Hangar, der kurz darauf verschlossen wurde - das vorläufige Ende einer über Monate andauernden Nervenschlacht. Damit steht aber nur fest, dass der 89 Jahre alte Demjanjuk 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs auch tatsächlich mit den Vorwürfen gegen sich konfrontiert wird. Ob er für Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden am Ende auch juristisch zur Verantwortung gezogen werden kann, ist offen. 

Die Sondermaschine mit Demjanjuk an Bord hob im Sonnenuntergang am
Burke Lakefront Airport in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio ab. Für
den von einem Arzt und Pflegern begleiteten Rentner war es die
letzte Gelegenheit, noch einmal eine Blick aus dem Fenster auf seine Heimat der vergangenen Jahrzehnte zu werfen. Die USA haben Demjanjuk die Staatsbürgerschaft entzogen, er wird jetzt bis an sein Lebensende in Deutschland bleiben. Die Frage ist nur, ob in Freiheit oder im Gefängnis.

Den Flug über schlief der 89-Jährige die meiste Zeit. Nach der Landung brachte ein Krankenwagen ihn nach Stadelheim. In dem Münchner Gefängnis wartete bereits ein Bett in der Krankenstation auf Demjanjuk. Auf 20 Quadratmetern wird er dort nun zunächst mit
einem anderen Gefangenen untergebracht sein. Demjanjuk sei wach und ansprechbar, berichtete das Gefängnispersonal, das den in der Ukraine geborenen, später in Bayern lebenden und dann 1952 in die USA ausgewanderten Gefangenen auf Deutsch anredete. Von der Gefängnisleitung wurde ihm leichte Kost zugeteilt - wobei das Mahl mit bayerischem Leberkäse und Kartoffelbrei eigentlich recht deftig ausfiel.

Nach dem Essen fing der Ermittlungsrichter gegen 14.00 Uhr im Beisein eines Staatsanwalts und Verteidigers an, Demjanjuk den 21-seitigen Haftbefehl zu verlesen. Darin wurden all die Vorwürfe zusammen gefasst, die der deutsche Nazijäger Kurt Schrimm mit seiner Ludwigsburger Fahndungsstelle zusammen getragen hatte. Kernbeweisstück ist dabei ein Ausweis, nach dem Demjanjuk von März bis September 1943 KZ-Wächter in Sobibor war. Die Fahnder ermittelten außerdem in Kleinarbeit mit genauen persönlichen Daten 29.000 einzelne Schicksale von Juden, die in dieser Zeit in Sobibor getötet wurden.

Wegen der genauen Dokumentation der Vorwürfe glaubt die Staatsanwaltschaft, innerhalb weniger Wochen Anklage erheben zu können. Doch sicher ist dies nicht, da es eine ganze Reihe offener Fragen gibt. Zuerst müssen nun deutsche Gerichtsärzte klären, ob Demjanjuk überhaupt gesundheitlich haftfähig ist. Am Dienstag begannen bereits die Laboruntersuchungen. Sollte Demjanjuk nicht haftfähig sein, müsste er wieder freigelassen werden.

Doch auch falls seine Gesundheit einen Prozess zulässt, ist ein schneller Beginn nicht ausgemacht. Denn Demjanjuk kann zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Falls er dabei einen neuen Sachverhalt schildert, müssten die Staatsanwälte diesen vor einer Anklagerhebung zunächst prüfen.

Und es steht auch noch eine Haftbeschwerde von Demjanjuks Rechtsanwalt Ulrich Busch im Raum. Demjanjuk verneine, je KZ-Wächter in Sobibor gewesen zu sein, sagt Busch. Falls er es doch gewesen sei, dürfe er aber trotzdem nicht angeklagt werden: Als Ukrainer habe er vor der Wahl gestanden, entweder mitzumachen oder selbst getötet zu werden - auf diesen Befehlsnotstand könne nur ein Freispruch folgen. Und schließlich sei Demjanjuk bereits in Israel und Polen vom Vorwurf freigesprochen worden, KZ-Wächter in Sobibor gewesen zu sein - eine weitere Anklage dürfe es nicht geben.

Während sich im fernen Cleveland die Familie Demjanjuks über einen «unmenschlichen Umgang» mit dem Greis beklagte, zeigten die Vertreter der Opfer Genugtuung. Ein Prozess gegen Demjanjuk habe einen hohen symbolischen Stellenwert, erklärte Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. «Es geht nicht um Rache, sondern um Gerechtigkeit.» 

27.04.2009 · www.oberpfalznetz.de

Symbol für Gesinnung und Mut

Seliger-Gemeinde erinnert mit Tafel an Naziopfer unter den sudetendeutschen Sozialdemokraten

Flossenbürg. (nm) Es ging um mehr, als nur um Erinnern und Gedenken. Die am Samstag von der Seliger-Gemeinde enthüllte Bronzetafel steht auch für Ehre, Respekt und für die Forderung, friedlichen Kontakten zwischen den Völkern hohen Stellenwert einzuräumen. "Demokratie und freiheitliche Grundwerte dürfen nie wieder zur Disposition stehen", forderte Dr. Max Mannheimer.

Bundesvorsitzender Albrecht Schläger erläuterte in der KZ-Gedenkstätte - am Zugang zum "Tal des Todes" - die Beweggründe für die Aktion und die Feierstunde, zu der sich weit mehr als 100 Gästen eingefunden hatten: "Vor 70 Jahren wurden die ersten Sozialdemokraten aus dem Sudetenland ins KZ Flossenbürg eingeliefert. Wegen der Treue zur Arbeiterbewegung mussten sie Leid und Tod erdulden."

Mut bewiesen

Dr. Mannheimer - er überlebte den Naziterror und gehört seit vielen Jahren der Seliger-Gemeinde an - nannte stellvertretend für die sudetendeutschen Häftlinge die Namen von Hans Georg Trapp, Artur Schober und Arthur Öhm. Trotz des Leidenswegs hätten diese Sozialdemokraten Gesinnung und Mut bewiesen. Zu erwähnen sei in dem Zusammenhang, dass das auch am eigenen Leib erlebte Grauen jegliches Vorstellungsvermögen übersteige.

Leider sei es nicht gelungen, den Schwur, eine Welt in Frieden und Freiheit aufzubauen, vollständig zu verwirklichen: "Es schmerzt und empört uns, dass nicht überall Konsequenzen aus Krieg, Völkermord und Terror gezogen werden."

Als Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe warnte Europaparlamentarier Bernd Posselt vor einer falschen Auslegung der Geschichte: "Das Münchner Abkommen von 1938 hatte nichts mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker zu tun, sondern führte es ad absurdum." Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Werner Schieder rief die Gäste - darunter die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Christa Naaß, der tschechische Konsul Ivo Losman, der Kandidat für das Europaparlament Ismail Ertug, der Sulzbach-Rosenberger Bürgermeister Gerd Geismann, Dr. Peter Becher vom Adalbert-Stifter-Verein und das Flossenbürger Gemeindeoberhaupt Johann Kick - auf, einen Umstand nicht zu vergessen: "Es waren Sozialdemokraten, und besonders auch Genossen aus dem Sudetenland, die gegen den Naziwahn eintraten."

Intensive Zusammenarbeit

Das Schlusswort blieb Dr. Jörg Skriebeleit vorbehalten. Der Leiter der Flossenbürger KZ-Gedenkstätte stufte die enthüllte Tafel als wichtigen Beitrag zur differenzierten Darstellung der Geschichte ein. Nicht vergessen wurden auf Gegenwart und Zukunft: "Es gibt eine intensive Zusammenarbeit mit Menschen aus dem Nachbarland. Das macht Mut."


24.04.2009 · www.oberpfalznetz.de

Neue Gedenktafel

Seliger-Gemeinde erinnert mit Bronzerelief an Leid und Tod sudetendeutscher Genossen

Flossenbürg. (nm) Vor 70 Jahren wurden die ersten Sozialdemokraten aus dem Sudetenland in das Flossenbürger KZ eingeliefert. Die Seliger-Gemeinde erinnert am Samstag an das Ereignis, das für zahlreiche Menschen Terror, Leid oder gar Tod bedeutete. Als Redner kommt Dr. Max Mannheimer zu dem Festakt in die KZ-Gedenkstätte. 

Ihre Wurzeln hat die Seliger-Gemeinde in der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und in der Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten. Ein Teil des Parteivorstandes und der Mitglieder konnte nach der Besetzung des Sudetenlandes durch die Nazis fliehen. Viele andere mussten den Weg in Zuchthäuser und Konzentrationslager - unter anderem Flossenbürg - antreten. 

Eine wichtige Aufgabe sieht die Organisation darin, das Verhältnis der Deutschen und insbesondere der Sudetendeutschen zu den tschechischen Nachbarn zu verbessern. Genauso gehe es aber auch um die Aufarbeitung der Geschichte, wobei historische und objektive Wahrheit die Grundlage für den Umgang miteinander sein müsse.

Im Tal des Todes rücken am Samstag die Menschen in den Mittelpunkt, die wegen der Treue zur Partei und zur Arbeiterbewegung leiden und sterben mussten. Sichtbares Zeichen der Erinnerung, der Trauer und des Mahnens ist eine Bronzetafel, die bei dem um 10.30 Uhr beginnenden Festakt enthüllt wird. Der gewählte Zeitpunkt ist im Übrigen auch vor dem Hintergrund eines anderen Jahrestages zu sehen: Das KZ wurde am 23. April 1945 befreit. 

Als Redner konnte die Seliger-Gemeinde Dr. Mannheimer gewinnen. Er überlebte die KZ-Haft und stiftete das Preisgeld für den Wenzel-Jaksch-Preis für die neue Gedenktafel. Ihr Kommen haben im Weiteren Bundesvorsitzender Albrecht Schläger, MdEP Bernd Posselt (Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe), die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Christa Naaß und der SPD-Unterbezirksvorsitzende Werner Schieder angekündigt.


27.03.2009 · www.oberpfalznetz.de

Die Dienstnummer des Schreckens

Iwan Demjanjuk diente der SS ab 1943 auch im Konzentrationslager Flossenbürg als Scherge

Flossenbürg. (so) Von einem finsteren Kapitel deutscher Geschichte ist der Raum Floß-Flossenbürg (Landkreis Neustadt/WN) besonders betroffen - und wächst deshalb zunehmend in die Rolle eines weltweit leuchtenden Mahnmals gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinein. Jetzt wurde bekannt: Die Spuren des mutmaßlichen KZ-Schergen Iwan Demjanjuk führen ins ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg.

Der vor der Auslieferung von den USA nach Deutschland stehende Ukrainer, gegen den die Münchner Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren betreibt und gegen den ein Münchner Haftrichter unlängst Haftbefehl erlassen hat, wird voraussichtlich noch 2009 vor dem Münchner Landgericht angeklagt - wegen Verdachts der Beihilfe zum Mord von 29 000 Juden im NS-Vernichtungslager Sobibor von März bis September 1943.

Zuletzt in Feldafing

Damit wird in Deutschland 64 Jahre nach Kriegsende vermutlich einer der letzten großen NS-Kriegsverbrecherprozesse über die Bühne gehen. Die Münchner Justiz ist für den 88-Jährigen, der Jahrzehnte in den USA lebte, auch deshalb zuständig, weil sich Demjanjuk nach dem Krieg einige Zeit im DP-Lager (Displaced Persons) in Feldafing bei München aufhielt. Außerdem, und hier beginnt eine wichtige Indizienkette für seine Identifizierung, diente er der SS von 1943 bis vermutlich 1945 als Wachmann im Konzentrationslager Flossenbürg.

LKA sucht Beweise

"Seit Monaten geht hier das Landeskriminalamt ein und aus", teilte uns hierzu Jörg Skriebeleit, der Flossenbürger KZ-Gedenkstättenleiter, mit. Denn es geht darum, ob der berühmte Sobibor-Dienstausweis von Demjanjuk, den er niemals besessen haben will, mit der Nummer 1393 tatsächlich jenes Dokument sein kann, das ihn überführt.

Gewehr mit Bajonett

Und hier laufen die Fäden in Flossenbürg zusammen: Demjanjuks Dienstnummer 1393 taucht in einer Überstellungsliste von 140 Männern aus dem Ausbildungslager Trawniki (bei Lublin) für "fremdländische Hilfswillige" nach Flossenbürg (1.10.43) auf. Im Waffenbuch des KZ-Flossenbürg ist vermerkt, dass "W Demianiuk am 8. Oktober 1943 ein Gewehr mit Bajonett erhielt. Schließlich gibt es einen Tagesbefehl vom 4. Oktober 1944, wonach "Demenjuk 1393" als Wachmann zum Kommando Bunkerbau in Flossenbürg eingeteilt wurde. Schließlich ist ein Wachmann "Demenjuk" mit Dienstnummer 1393 auch auf einer undatierten Liste mit den Namen von 117 ukrainischen Wachen im KZ Flossenbürg vermerkt. Diese und andere Belege für Demjanjuks Präsenz in Konzentrationslagern untersucht gegenwärtig das Bayerische Landeskriminalamt.

Die Geschichte des bis 1942 in der sowjetischen Armee dienenden Demjanjuk ist lang. Nach dem Krieg wanderte er in die USA aus und ließ sich mit seiner Familie in Ohio nieder. Im Zuge von Zeugenaussagen wurde er 1986 nach Israel ausgeliefert und dort als "Iwan der Schreckliche" aus dem Vernichtungslager Treblinka zum Tode verurteilt, nach sieben Jahren Haft aber wieder freigelassen und in die USA zurückgeschickt. 

Grund: Letzte Zweifel an seiner Identität konnten nicht ausgeräumt werden. Laut den Akten des russischen KGB hieß "Iwan der Schreckliche" tatsächlich Iwan Marchenko.

Ein Flosser leitet Ausschwitz

So bleibt abzuwarten, ob die Akte Demjanjuk in München geschlossen werden kann. Doch auch so hat der Raum Floß-Flossenbürg mit dem schrecklichen Erbe der NS-Zeit eine schwere Bürde zu tragen. Es gibt eine weitere Personalie, die längst im Orkus des Vergessens schlummert, aber aktenkundig ist: Der gelernte Konditor Richard Baer, geboren am 9. September 1911 in Floß, war der letzte Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.


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