22.01.2019

Wir trauern um Marija Fediriwna Fomina

1.9.1926 – 16.10.2018

Foto: Marija Fediriwna Fomina beim jährlichen Treffen ehemaliger Häftlinge in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, 2005. KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Wir haben die traurige Nachricht erhalten, dass Marija Fomina im Oktober letzten Jahres im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Marija Fediriwna Fomina, geborene Montschenko wurde am 1. September 1926 in dem Dorf Sobino in der Südukraine geboren. Als Schülerin wurde sie 1942 festgenommen, weil sie versucht hatte kriegsgefangenen sowjetischen Soldaten zu helfen. Aus einem Transportzug, der sie zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich bringen sollte, versuchte sie bei einem Zwischenhalt zu fliehen. Sie wurde aufgegriffen und zur Strafe für den Fluchtversuch im Herbst 1943 in das Frauenlager des KZ Auschwitz-Birkenau eingewiesen. Nach einem Jahr kam Marija Fediriwna Fomina mit 500 weiblichen Häftlingen aus Auschwitz-Birkenau ins Flossenbürger Außenlager Mittweida in Sachsen. Dort wurden sie zur Arbeit in der Rüstungsproduktion gezwungen. Als die alliierten Truppen näher rückten, löste die SS Mitte April 1945 das Lager auf. Die Häftlinge wurden in offene Güterwaggons verladen und in Richtung der tschechischen Grenze transportiert. In dem Todestransport aus Leitmeritz erlebte sie die Hilfeleistungen durch die tschechische Bevölkerung. Als Zeitzeugin konnte sie hierüber noch in dem Dokumentarfilm »Todeszug in die Freiheit« von Andrea Mocellin und Thomas Muggenthaler (BR 2018) berichten. Am 8. Mai 1945 wurde Marija Fediriwna Fomina schließlich in Velešin von russischen Soldaten befreit. Sie war so abgemagert, dass ihre Familie sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat kaum erkannte. Nur langsam kam sie wieder zu Kräften. 1946 zog sie mit ihrer Familie nach Charkow. Nach ihrer Heirat wurde sie Mutter einer Tochter und eines Sohnes. Ihr Leben lang begleiteten sie gesundheitliche Probleme in Folge von Erkrankungen und Misshandlungen während der KZ-Haft. Mehrfach kam Marija Fediriwna Fomina nach Flossenbürg, um an den an den Treffen Überlebender in der Gedenkstätte teilzunehmen. In unseren Gedanken sind wir bei bei ihren Angehörigen.

Dr. Jörg Skriebeleit und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg