17.06.2019

Wir trauern um Michal Salomonovic

6.10.1933 – 15.6.2019

Michal Salomonovic (links) zusammen mit seinem Bruder Josef bei der Übergabe des Namensbuches „Die Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg und seiner Außenlager“ im Jahr 2005. KZ-Gedenkstätte Flossenbürg/Foto: Bernhard Neumann

Michal Salomonovic (links) zusammen mit seinem Bruder Josef bei der Übergabe des Namensbuches „Die Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg und seiner Außenlager“ im Jahr 2005. KZ-Gedenkstätte Flossenbürg/Foto: Bernhard Neumann

Michal Salomonovic zusammen mit Jugendlichen während des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg im April 2015. KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Wir haben die traurige Nachricht erhalten, dass Michal Salomonovic am 15. Juni 2019 verstorben ist. Michal Salomonovic wurde 1933 im mährischen Ostrau (Ostrava) geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie. Im Dezember 1941 wurde er zusammen mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder Josef in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Nur solange sie arbeiten konnten, hatten die Jüdinnen und Juden im Ghetto eine Chance zu überleben. Alle anderen, vor allem Alte, Kranke und Kinder, fielen systematisch den Deportationen in das Vernichtungslager Kulmhof zum Opfer. Michal Salomonovic musste daher schon als Kind zusammen mit seinem Vater und seiner Mutter für die Deutschen Munitionswerke arbeiten. Als das Ghetto im Sommer 1944 aufgelöst wurde, wurde er zusammen mit seiner Familie über das Konzentrationslager Auschwitz in das Konzentrationslager Stutthof verschleppt, wo die SS seinen Vater ermordete. Ab November 1944 war er im Konzentrationslager Flossenbürg registriert. Um den Jungen bei sich behalten zu können, gab die Mutter ihn als Mädchen aus. Bis zur Bombardierung Dresdens im Februar 1945 arbeitete er wieder für die Deutschen Munitionswerke und musste dann bei den Räumungsarbeiten in der zerstörten Stadt helfen. Während des Todesmarsches im April 1945 gelang es der Mutter mit den beiden Söhnen zu fliehen. Michal Salomonovic kehrte in seine Geburtsstadt zurück, wo er bis zu seinem Tod lebt. Über viele Jahre hinweg war er politisch engagiert und sprach vor unzähligen Schulklassen in Deutschland und der Tschechischen Republik über die Zeit seiner Verfolgung. Über mehr als ein Jahrzehnt nahm Michal Salomonovic am Treffen der Überlebenden in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg teil, wo er stets das Gespräch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Internationalen Jugendbegegnung suchte. Nach dem Tod von Miloš Volf im Jahr 2012 organisierte er die Teilnahme der tschechischen Gruppe. Seinen Beitrag zur Arbeit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg schätzen wir sehr und er wird unvergessen bleiben. In diesen Stunden sind die Gedanken aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei seinen Angehörigen, besonders bei seiner Frau und seinem Bruder Josef, denen unsere aufrichtige Anteilnahme gilt.

Dr. Jörg Skriebeleit und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg