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Wir trauern um Eric Hitter

  • Eric Hitter bei der Feier zum 78. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg im April 2023

13. März 1927 - 9. Mai 2024

Eric Hitter stammt aus der rumänischen Großstadt Oradea. Da die Stadt bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Königreich Ungarn gehörte, war die Mehrheit der Einwohner*innen ungarisch. So auch die jüdische Familie Hitter. Eric, der bis zu seiner Auswanderung ins Vereinigte Königreich im Herbst 1945 Imre hieß, war eines von acht Kindern einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie.

Ab Frühjahr 1944 sind Imre Hitter, seine Eltern, die vier Schwestern und der jüngere Bruder gezwungen, mit tausenden anderen Jüdinnen und Juden aus der Stadt und dem Umland ins Ghetto von Oradea zu ziehen. Mehr als 27.000 von ihnen, darunter die achtköpfige Familie, werden zwischen dem 23. Mai und 27. Juni 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt, die meisten dort kurz nach ihrer Ankunft ermordet. Der siebzehnjährige Imre Hitter wird von der SS als arbeitsfähig eingestuft und zur Zwangsarbeit in das Konzentrationslager Groß-Rosen geschickt. Als dieses Ende Februar 1945 aufgelöst wird, ist Imre Hitter einer von 3.059 Gefangenen, die in Güterwaggons nach Flossenbürg deportiert werden. Die Männer sind bereits so geschwächt, dass 200 die Ankunft in Flossenbürg nicht erleben. Als die alliierten Truppen sich immer weiter nähern, zwingt ihn die SS am 16. April einen Todesmarsch in Richtung Dachau. Auf der Strecke wird der Zug mit den Häftlingen in der Nähe von Schwarzenfeld von US-amerikanischen Fliegern beschossen, die die Lokomotive außer Betrieb setzten und dabei zahlreiche Gefangene töten. Wenige Tage darauf gelingt es Imre Hitter, sich unbemerkt von der Marschkolonne abzusetzen. Am 23. April wird er in Neunburg vorm Wald befreit. Außer ihm haben noch zwei seiner älteren Schwestern überlebt.

Die nächsten Wochen verbringt Imre Hitter im Krankenhaus von Neunburg, wo er nur langsam wieder zu Kräften kommt. Als er im Spätsommer erfährt, dass Jugendlichen unter 16 Jahren ermöglicht wird, ins Vereinigte Königreich auszuwandern, entschließt er sich, sich dieser Gruppe anzuschließen, muss dafür aber sein Geburtsdatum fälschen. In seiner neuen Heimat lernt er seine zukünftige Frau kennen, deren Familie aus Belgien stammt. Nach einigen Jahren in London ziehen Eric und Fay Hitter mit ihrer Tochter Marylin nach Antwerpen, wo Eric Hitter eine Stelle im Familienunternehmen seines Schwiegervaters antritt. Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg besuchte Eric Hitter zuletzt im April 2023.

Unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei Eric Hitter und seinen Angehörigen, denen unsere aufrichtige Anteilnahme gilt.

Prof. Dr. Jörg Skriebeleit und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

  • Eric Hitter beim Gedenkakt zum 78. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg im April 2023