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Wir trauern um Jack Garfein

2. April 1930 – 30. Dezember 2019

Jakub Garfein wächst im slowakischen Bardejow auf, wo sein Vater eine Sägemühle betreibt. Um sich vor den Deportationen der slowakischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager zu schützen, flieht die Familie Garfein 1942 nach Ungarn. Jedoch werden sie zwei Jahre zusammen mit großen Teilen der jüdischen Bevölkerung Ungarns in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. An der Rampe stößt die Mutter Jakub zu den älteren und arbeitsfähigen Jungen und rettet ihm damit das Leben. Zusammen mit seiner jüngeren Schwester wird sie wie die meisten der Deportierten direkt nach der Ankunft ermordet. Über das Konzentrationslager Groß-Rosen verschleppt die SS den Vierzehnjährigen im März 1945 in das Konzentrationslager Flossenbürg und zehn Tage später in das Konzentrationslager Buchenwald. Als einziger Überlebender seiner Familie erlebt Jakub Garfein das Kriegsende. Er wird von der Britischen Armee im Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit.

Über Schweden kann er 1946 durch die Unterstützung eines Onkels in die USA auswandern. Fortan nennt er sich Jack. Ein Stipendium einer jüdischen Hilfsorganisation ermöglicht es Garfein, ein Schauspielstudium aufzunehmen. Nach ersten Bühnenengagements wird Jack Garfein ein erfolgreicher Theater- und Filmregisseur und arbeitet als Schauspiellehrer. Seine ersten beiden Filme „The Strange One“ (1957) und „Something Wild“ (1961) sind äußerst kontrovers und werden in Teilen zensiert. In „The Strange One“ problematisiert Garfein die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung, die er aufgrund der eigenen Verfolgungserfahrung kritisiert.

Jack Garfein ist dreimal verheiratet und hat vier Kinder.

Seit 2010 besucht Jack Garfein die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg regelmäßig und trifft sich mit Jugendlichen, um von seinen Erfahrungen zu berichten.

In diesen Stunden sind die Gedanken aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei seinen Angehörigen, denen unsere aufrichtige Anteilnahme gilt.

Dr. Jörg Skriebeleit und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Foto: Jack Garfein während eines Zeitzeugengesprächs in Nürnberg, 2017, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg