Gedächtnisallee 5
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Wir trauern um Mieczysław Ciechoński

02. November 1926 – 28. Oktober 2020

Mieczysław Ciechoński wird 1926 im zentralpolnischen Pułtusk geboren und verbringt dort die ersten Lebensjahre mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwister. In den frühen 1930er Jahren siedelt seine Familie nach Warschau über. Nachdem er 1939 die Schule abschließt, beginnt er eine Schreinerlehre. Während der deutschen Besatzung beteiligt sich Mieczysław Ciechoński am polnischen Widerstand und fertigt Möbel mit Geheimfächern für Waffen und Flugblätter an. Zudem unterstützt er den Widerstand als Verbindungsmann mit der Überbringung von Botschaften und Verteilung von Flugblättern.

Am 1. August 1944 erhebt sich in Warschau eine der größten militärischen Widerstandsbewegungen des zweiten Weltkrieges gegen die Besatzer. Unzureichend bewaffnet sind die Widerstandskämpfer*innen der polnischen Heimatarmee den deutschen Einheiten jedoch weit unterlegen. Mieczysław Ciechoński und sein jüngerer Bruder vermitteln Informationen zwischen den paramilitärischen Brigaden. Schon während des Warschauer Aufstandes beginnen deutsche Einheiten, große Teile Warschaus zu zerstören, etwa 150.000 Zivilist*innen werden ermordet, 90.000 zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und 60.000 in KZs eingewiesen. Die Ciechoński-Brüder werden am 2. September 1944 mit Flugblättern von lettischen SS-Männern aufgegriffen und an die Wehrmacht übergeben, die Mitglieder des Widerstands für den Abtransport auf dem Marktplatz versammeln. Mit anderen Häftlingen gelangen sie von dort über Pruszków und Legnica fünf Tage später in das Konzentrationslager Flossenbürg. Zunächst wird Mieczysław Ciechoński in der Messerschmitt-Fabrik eingesetzt, später zu Kehrarbeiten auf dem Appellplatz. Mit der Auflösung des Lagers und den anschließenden Todesmärschen im April 1945 gelangt Mieczysław Ciechoński in die Nähe von Cham, wo er von US-amerikanischen Truppen befreit wird.

Nach Ende des Krieges kehrt Mieczysław Ciechoński zu seiner Familie nach Polen zurück, wo er auch seinen Bruder wiedertrifft. 1946 heiratet er und wird Vater von zwei Kindern. Mieczysław Ciechoński studiert Industriebauwesen und Wirtschaft.

Über viele Jahre hinweg nimmt Mieczysław Ciechoński als Teil der polnischen Delegation an den jährlichen Treffen der Überlebenden teil und unterstützt die Arbeit der KZ-Gedenkstätte.

In diesen Stunden sind die Gedanken aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei seinen Angehörigen, denen unsere aufrichtige Anteilnahme gilt.

Dr. Jörg Skriebeleit und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg