Gedächtnisallee 5
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Wir trauern um Onufrij Mikhajlowitsch Dudok

12. Juni 1926 – 14. September 2020

Onufrij Mikhajlowitsch Dudok wird in der damals polnischen Ortschaft Kosowiec in eine ukrainische Familie geboren. Er wächst zusammen mit fünf Geschwistern auf. Mitte September 1939 annektiert die Sowjetunion den östlichen Teil Polens. Im Alter von dreizehn Jahren muss er die Schule abbrechen und arbeitet in einer Spirituosenfabrik. Am 22. Juni 1941 überfällt die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Innerhalb kürzester Zeit gerät das Gebiet der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik unter deutsche Besatzung. Die Ukraine ist damit einer der Hauptschauplätze des Krieges im Osten. Onufrij Dudok gehört zu den Millionen von Männern und Frauen, die als Zwangsarbeiter*innen nach Deutschland verschleppt werden, um für deutsche Unternehmen, Privathaushalte oder in der Landwirtschaft zu arbeiten. Über Umwege gelangt der junge Mann nach Nürnberg. Als Onufrij Dudok sich auf dem Rückweg von der Post, von wo aus er seine Familie über seinen Aufenthalt informieren wollte, während einer Polizeikontrolle nicht ausweisen kann, wird er verhaftet. Die Polizei unterstellt ihm, dass er hätte fliehen wollen. Nach mehreren Wochen Polizeihaft überstellt die Gestapo Nürnberg Onufrij Dudok am 12. Januar 1943 in das Konzentrationslager Flossenbürg. Hier muss er im Steinbruch arbeiten. Zusammen mit 1.000 anderen Gefangenen deportiert die SS Onufrij Dudok Anfang Dezember 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz. Als die sowjetischen Streitkräfte Ende 1944 immer näher rücken, beginnt die SS, das Konzentrationslager Auschwitz aufzulösen, Tausende Gefangene werden in andere Lager verlegt. Die letzten Kriegsmonate ist Onufrij Dudok im Konzentrationslager Mauthausen-Gusen inhaftiert, wo er am 5. Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wird. Er ist so schwach, dass er zunächst einige Zeit in einem Krankenhaus behandelt werden muss. Ende der 1940er Jahre kehrt er in die Sowjetunion zurück und heiratet.

Seit den 2000er Jahren besucht er regelmäßig die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und spricht mit Jugendlichen über seine Geschichte.

In diesen Stunden sind die Gedanken aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei seinen Angehörigen, denen unsere aufrichtige Anteilnahme gilt.

Dr. Jörg Skriebeleit und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Foto: Onufrij Mikhajlowitsch Dudok im Jahr 2016, Bernhard Mühleder