Rückblick auf den 79. Jahrestag der Befreiung

Flossenbürg, 29.04.2024

- Pressemitteilung 05/2024 -

Feierlichkeiten anlässlich des 79. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg

Trotz des plötzlichen Wintereinbruchs kamen am Sonntag den 21. April 2024 über 600 Gäste in die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, um gemeinsam an die Menschen, die im Lagerkomplex Flossenbürg inhaftiert waren, zu erinnern und ihnen zu gedenken. Zum feierlichen Höhepunkt der mehrtägigen Veranstaltung durften wir vier Überlebende, eine Vielzahl Angehöriger ehemaliger Häftlinge aus aller Welt begrüßen. Während des Gedenkaktes sprach der Bayerische Staatsminister der Finanzen und für Heimat, Albert Füracker, der sich dafür stark machte, den jetzigen und nächsten Generationen das Erinnern und Gedenken weiterzugeben. Er betonte in seiner Rede, dass man gerade zum aktuellen Zeitpunkt Lehren aus der Vergangenheit ziehen müsse; der Bedarf an unserer gemeinsamen „Erinnerungs-Aufgabe“ scheine nicht nur ungebrochen zu sein, sondern täglich zu wachsen. Prof. Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg, lobte den progressiven Aufbau der Erinnerungslandschaft der letzten Jahrzehnte. Er hielt ein Plädoyer für die essentielle Bedeutung der Erinnerungsarbeit, um Desinformation, Geschichtsrevisionismus, Verharmlosung und Hassrhetorik entgegenzuwirken. „Wahrhaftes Wissen ist die Grundlage von gerechter Erinnerung – aus der Erinnerung ergibt sich Handlungswissen und Verantwortung für eine versöhnte Zukunft im Miteinander aller Generationen, Gruppen, Hintergründe und Orientierungen in unserer Gesellschaft.“, so Hebel. Es dürfe für niemanden ein ‚Genug‘ in der Erinnerungs- und Wissensarbeit geben. Für die Familien der Opfer sprach Youp Zwolschen, dessen Großvater das KZ Flossenbürg überlebte. Die sehr persönliche Schilderung seiner Auseinandersetzung mit dem Schicksal seines Großvaters bewegte das Publikum.

Da die Kranzniederlegung in der Gedenkanlage „Tal des Todes“ aufgrund der Wetterbedingungen nicht stattfinden konnte, wurde auf dem Appellplatz mit einer Schweigeminute den Opfern gedacht. Im Anschluss an den Gedenkakt wurde im kleinen Kreis eine Urne mit menschlichen Ascheresten im „Tal des Todes“ beigesetzt. Diese waren vor wenigen Monaten bei Bauarbeiten auf dem Gelände gefunden worden.

Die Feierlichkeiten zum Befreiungstag hatten bereits am Freitag, den 19. April 2024, mit der Eröffnung des „Zeltes der Begegnung“ begonnen. Der Fotoklub Flossenbürg präsentierte seine Arbeiten aus über 50 Jahren fotografischer Beschäftigung rund um den Ort und das Leben in Flossenbürg. Mit dem „Zelt der Begegnung“ wurde ein Raum für Austausch und Information geschaffen, der allen Interessierten offenstand. Dieses Angebot wurde über das gesamte Festwochenende sehr gut angenommen. Direkt am Eingang zum Gelände der KZ-Gedenkstätte empfing der Jeep von Sandro Vazon die Besucher*innen. Sandro Vazon hatte den originalen Jeep, der von den amerikanischen Befreiern 1945 gefahren wurden, eigenhändig von Regensburg nach Flossenbürg gelenkt und stand über das Wochenende hinweg für Fragen zur Verfügung.

Am Samstag, den 20. April 2024 um 16.00 Uhr wurde im ehemaligen Arrestgebäude die Wanderausstellung I Deportati del Trasporto 81 Bolzano – Flossenbürg 5-7 Settembre 1944 eröffnet. Die Ausstellung, in Zusammenarbeit von der ANED Pavia, dem italienischen Verband ehemaliger Deportierter in nationalsozialistische Lager, mit Überlebenden und Angehörigen kuratiert, wird bis zum 12. Mai 2024 vor Ort zu sehen sein und danach weiterziehen an die ehemaligen Außenlagerstandorte Hersbruck (voraussichtlich ab dem 24. Mai 2024) und Lengenfeld (tba). Sie schildert die Schicksale der 432 Deportierten aus Bozen, die mit dem Transport 81 nach Flossenbürg kamen. Bei der Ausstellungseröffnung anwesend waren viele Angehörige aus Italien wie auch die internationale Jugendbegegnung, die sich dieses Jahr aus italienischen, ungarischen und deutschen Jugendlichen zusammensetzte.

Sowohl am Samstag, als auch am Sonntag, konnte das ehemalige Verwaltungsgebäude der Deutschen Erd- und Steinwerke sowie das Steinbruchgelände besichtigt werden. Nach der Einstellung der kommerziellen Nutzung des Areals am 31. März 2024, gaben wir Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und tauschten uns mit den Gästen zur Zukunft des Areals aus.

Die Fotos vom Gedenkakt finden Sie unter:

https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/besuch/veranstaltungen/fotoalbum