24. April 2026 - 26. April 2026
„Ich kann niemals nur eine Sache tun. Ich muss mindestens drei Dinge tun. Eine Stunde nichts zu tun, ist für mich wie sterben zu müssen.“
Vittore Bocchetta war Literaturprofessor, Autor, Künstler, Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Überlebender, Immigrant. Ein Suchender, ein Getriebener – ein Mensch, der stets in Bewegung blieb.
Bocchetta wird am 15. November 1918 in Sassari auf Sardinien geboren und zieht im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie nach Verona. Als Student beteiligt er sich am Widerstand gegen das faschistische Mussolini-Regime und die deutsche Besatzung ab 1943. Ein Jahr später wird er festgenommen und über Bozen in das Flossenbürger Außenlager Hersbruck verschleppt. Als das Außenlager im März 1945 evakuiert wird, schafft es Bocchetta zu fliehen und sich in einem Lager für englische Kriegsgefangene zu verstecken. Nach dem Krieg kehrt er zunächst nach Italien zurück, wandert aber 1948 nach Südamerika und später in die USA aus. 1992 kehrt Bocchetta nach Verona zurück, wo er am 18. Februar 2021 stirbt.
Vittore Bocchetta beginnt seine künstlerische Laufbahn in den 1950er Jahren als Bildhauer. Sein Werk umfasst Texte und Theaterinszenierungen sowie Skulpturen, Zeichnungen, Collagen und Gemälde. Oft verwischt er die Grenzen dieser Genres, setzt sie in Dialog und schafft so seinen unverwechselbaren Stil.
Den Großteil der hier zu sehenden Zeichnungen fertigt Bocchetta 1986 während eines Aufenthalts in Verona, wo er zeitgleich an seiner Autobiografie arbeitet. Die Zeichnungen stehen somit in engem Zusammenhang mit dem Prozess des Erinnerns. Gleichzeitig verbleibt Bocchetta nicht bei der Darstellung persönlicher biografischer Episoden. Die Figuren in seinen Gemälden und Skulpturen werden zu Sinnbildern des Menschlichen: Sie verhandeln Einsamkeit und Isolation, ebenso wie zwischenmenschliche Beziehung und Verbundenheit.
Gerade dadurch gewinnen seine Arbeiten eine zeitlose Qualität und eröffnen einen unmittelbaren, persönlichen Zugang für die Betrachtenden.
