Gedächtnisallee 5
D-92696 Flossenbürg

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Talya Lubinsky: Melting Stone

Dieses Projekt ist die erste Artist in Residence- und Ausstellungskooperation zwischen der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und dem Iwalewahaus der Universität Bayreuth.

Talya Lubinskys Ausstellung Melting Stone ist ein künstlerischer Dialog mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Die beiden ortsspezifischen Installationen erforschen Geschichtserzählungen im Zwischenbereich von Materialität und Abstraktion. Die Ausstellung der südafrikanischen Künstlerin ist in einem stillgelegten Gebäude untergebracht, das einst die Büros der Deutschen Erd- und Steinwerke beherbergte, eines SS-eigenen Betriebs, der den angrenzenden Granitsteinbruch bewirtschaftet. Mit ihrem Werk nimmt die Künstlerin die geologisch-historische Bedeutung von Granit und Glas zum Ausgangspunkt, um Gedenkkulturen zu befragen.

Granit wurde und wird in Flossenbürg abgebaut. Einst als Lava 30 km unter der Erde fließend, wurde der Granit durch Kontinentalverschiebungen an die Oberfläche gedrückt. Im Laufe der Jahrmillionen erodierten Erdschichten, die Lava kühlte ab und kristallisierte zu dem, was heute als verfestigte Materie in Form von Granit zu sehen ist. Talya Lubinsky, die im Iwalewahaus bereits ihre Ausstellung Floating Bodies präsentierte, experimentiert in ihrer Skulpturen-Serie „Melting Stone" mit der Erhitzung der Steine bis hin zu dem Punkt, an dem sie zu schmelzen beginnen. Der Lebenszyklus des Steins wird so sichtbar. Das feste Material Stein, üblicherweise mit Trauer, Gedenken und Monumentalisierung verbunden, wird in eine flüssige Substanz verwandelt, die sich metaphorisch (wieder) mit dem Magma im Erdinnern verbindet. Auf diese Weise findet Talya Lubinsky neue Formen für die Formation von Erinnerungen, reflektiert und kritisiert die 'verknöcherte Materie’ hegemonialer Erinnerungskulturen.

Wissenswert

15. Juli - 18. September 2022

Täglich 13.00 - 17.00 Uhr

Im DESt-Gebäude auf dem ehemaligen Steinbruchgelände, Wurmsteinweg 7, 92696 Flossenbürg

Eintritt frei

„Sanding Glass", eine großflächige Arbeit auf und mit Glas, ist vor einem 14 m langen und 2,5 m hohen Wandbild an den Wänden des ehemaligen „Gefolgschaftssaals“ der Deutschen Erd- und Steinwerke installiert. Der nationalsozialistischen Ideologie der Zeit folgend, sind hier kräftige Steinmetze und Bauarbeiter dargestellt, die im faschistisch-realistischen Stil gemalt sind. In den Jahrzehnten nach der Befreiung des Lagers wurden die Gesichter der Figuren absichtlich entfernt, darüber hinaus ist die Farbe aufgesprungen und abgeblättert. Talya Lubinsky bearbeitet jene Teile des Gemäldes, die nicht abgerieben, abgeplatzt oder verwittert sind auf Glas, um sie undurchsichtig zu machen. Durch das Kratzen an der Oberfläche entsteht eine neue Zeichnung, die den Blick auf die Inhalte einer Geschichte lenkt, die durch ihre Abwesenheit erzählt wird.

Talya Lubinsky stammt aus Johannesburg, Südafrika, und lebt derzeit in Berlin. Zu ihren Einzelausstellungen gehören Marble Dust, Künstlerhaus Bethanien, Berlin (2020), Floating Bodies, Iwalewahaus, Bayreuth, (2017) und
If we burn, there is ash, Wits Anthropology Museum, Johannesburg (2016). Lubinsky erhielt einen MFA mit Auszeichnung von der University of Witwatersrand, Johannesburg.


www.talyalubinsky.com