Gedächtnisallee 5
D-92696 Flossenbürg

+49 9603-90390-0

Bildnachweis

ReMember

Theatertermine:

09.06.2022 Berlin, Georg-Weerth-Schule

10.06.2022 Berlin, tba

13.06.2022 Hamburg-Harburg, Elisabeth-Lange-Schule

14.06.2022 Hamburg-Altona, Max-Brauer-Schule

05.07.2022 Mitterteich, Otto-Wels-Mittelschule

20.07.2022 Dingolfing, Gymnasium

27.07.2022 Hersbruck, Paul-Pfinzing-Gymnasium

Merkt euch: In Deutschland ist Judenhass nicht erlaubt! Juden sind bei uns okay!“ In der Theaterszene werden zwei jungen Geflüchteten die Regeln eingebläut, sie nicken eifrig. Antisemitismus ist hierzulande wohl ein rotes Tuch. Was das ist, und was man wirklich dagegen tun kann – da scheint sich die Gesellschaft hier auch nicht so sicher zu sein…

„Damals wie heute?“ heißt das Theaterstück, das 2021 im Rahmen des Projekts „ReMember“ entstanden ist. Die Inszenierung zeigt, welche Reise die jugendlichen Teilnehmenden im Laufe des Projekts über die Vergangenheit zur Gegenwart zurückgelegt haben. Sie fordern kritisch-provokant in Szenen wie dieser zum Streitgespräch auf. Wie wirkt das, was im Nationalsozialismus geschehen ist, heute noch weiter? Und wie ehrlich sind wir uns als Gesellschaft in der Auseinandersetzung damit?

Im Anschluss an die ca. halbstündige Darbietung öffnen wir den Raum zum Gespräch. Die Schauspieler:innen und das gesamte ReMember-Team freuen sich über Ihre Fragen und Diskussionsbeiträge – sei es zu ihren Motivationen, ihren Geschichten, oder zu den kritischen Themen, die sie uns mit dem Stück präsentieren.

Im Projekt ReMember nehmen wir junge Menschen aller Herkunftsbiographien ernst. Wir setzen dabei nicht auf erhobene Zeigefinger, sondern entdeckendes Lernen, kritischen Dialog, Rollenspiel und Theater. Jeder Mensch bringt unterschiedliche Zugänge und Vorprägungen mit, wenn es um die Themen NS-Geschichte, Antisemitismus und Ideologien der Ungleichwertigkeit geht. Bei ReMember schaffen wir dafür offene Räume und stoßen einen Bildungsprozess an, der in die eigene Lebenswelt wirkt.

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg hat das Projekt Ende 2019 in Kooperation mit MIND prevention ins Leben gerufen. Darin setzt ein divers zusammengesetztes Team bei den heterogenen Lebensrealitäten junger Menschen an und baut auf den Austausch auf Augenhöhe. Die freiwillig Teilnehmenden, darunter viele mit Flucht- oder Migrationserfahrung, beschäftigen sich über mehrere Monate hinweg gemeinsam in Workshops mit Mechanismen der Ausgrenzung, des Rassismus und Antisemitismus. Der Besuch der Gedenkstätte ist darin eingebettet. Das Erlebte verarbeiten die Teilnehmenden im Anschluss in eigenen Theaterszenen. Ziel ist es, demokratisches Bewusstsein zu festigen und junge Menschen darin zu bestärken, sich im eigenen Umfeld und der breiteren Gesellschaft gegen Hass und Diskriminierung einzusetzen.

ReMember funktioniert, weil es inklusiv ist: Hier kommen aktuell 11 Jugendliche aus 7 unterschiedlichen Ländern zusammen, darunter Afghanistan, die Slowakei, Irak, Sierra Leone, Deutschland. Sie bringen ihre Biographien, Perspektiven und Erfahrungen ein, und gestalten daraus eine erinnerungskulturelle Praxis für die plurale, postmigrantische Gesellschaft. Erinnerungskultur trifft auf Streetwork, politische Bildung trifft auf Radikalisierungsprävention. Wir lassen uns auf die Jugendlichen ein und schaffen so eine Vertrauensbasis für die Langstrecke, durch die Reflexions- und Lernprozesse erst wirklich nachhaltig werden können.

Die Bekämpfung von Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen ist zentrale Stoßrichtung des Projekts. Dieser soll nicht als eine austauschbare Form der Diskriminierung behandelt, sondern in seiner historischen und gegenwärtigen Genese und spezifischen Charakteristik durchdrungen werden. Dabei ist es unerlässlich, auch antisemitisch konnotierte Israelfeindschaft und Verschwörungsdenken zu thematisieren und diskutieren. Über den partizipativen und dialogischen Ansatz stößt ReMember auch dahingehend die notwendigen Reflexionsprozesse an. Die Jugendlichen fangen an, Fragen zu stellen, auch was bestimmte, einseitige Narrative über den Nahostkonflikt angeht.

Das Projekt spricht alle Jugendlichen an, egal ob mit oder ohne Flucht- oder Migrationserfahrung. Zu einem überwältigenden Anteil nehmen jedoch Menschen teil, die erst in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind. Sie zeigen die Bereitschaft, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen und daraus einen gemeinsamen Sinn für Verantwortung in Gegenwart und Zukunft zu gestalten.

Dennis Forster, Projektleiter ReMember

Mit dem Theaterstück verarbeiten die Jugendlichen ihre Lernprozesse in einem künstlerischen Endprodukt. Sie schlüpfen in Rollen und zeigen, wie Perspektivwechsel und ein Ausbrechen aus Schwarz-Weiß-Denken möglich ist. Durch die Aufführungen entfalten sie ihre Ausdruckskraft, ihre Potenziale und Selbstwirksamkeit. Die Beschäftigung mit den Themen im Projekt findet so nicht rein auf der kognitiven Ebene statt, sondern ist eng verknüpft mit dem eigenen Empowerment und der Ausbildung emotionaler und kultureller Kompetenz. Diese Impulse und Prozesse geben sie weiter – in der Schule, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Familie. Als Botschafter*innen für gelebte Erinnerungskultur mischen sich die Teilnehmenden in den gesellschaftlichen Diskurs ein.

Das Theaterstück geht seit September 2021 bayern- und deutschlandweit in Schulen und an anderen Spielorten auf Tournee.

Dennis Forster, M.A.

wissenschaftlicher Mitarbeiter
Projekt »ReMember«

+49 (0)9603-90390-39

  • ReMember wird gefördert von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (www.kulturstaatsministerin.de) und dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.