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Newsletter 08/2026

Auf dieser Seite finden Sie alle längeren Beiträge, die für den Newsletter August 2026 erstellt wurden. 

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Die Sammlung Bocchetta

Die Ausstellung „Vittore Bocchetta. Ein Leben in Bewegung“ macht die in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg bewahrten Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen Vittore Bocchettas erstmals nahezu vollständig der Öffentlichkeit zugänglich. Die umfangreiche Sammlung entstand vor allem durch Schenkungen und Ankäufe von Vittore Bocchetta und des Freundeskreises Vittore Bocchetta NON DIMENTICARE e.V.

Die Sammlung zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt an künstlerischen Techniken, Materialien, Formaten und Motiven aus: Sie reicht von kleinen bunten Collagen über detailreiche realistische Bleistiftzeichnungen bis hin zu großformatigen abstrakten und farbenfrohen Gemälden, Reliefs und Skulpturen. Die Werke Bocchettas in der KZ-Gedenkstätte spiegeln in ihrer Vielfalt die unterschiedlichen Ausdrucksformen und Schaffensphasen eines Künstlers wider, dessen Leben von stetiger Bewegung und Veränderung geprägt war.

Vittore Bocchetta (*1918)

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Zeichnungen

Die hier erstmals vollständig in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg präsentierte Zeichnungsserie entstand in den 1980er Jahren parallel zu Bocchettas Arbeit an seinen Memoiren. Die dargestellten Selbstporträts, Erlebnisse und Beobachtungen sind stark autobiografisch geprägt: Teils vage und skizzenhaft, teils realistisch und detailreich zeigen sie Episoden aus der Zeit vor und während Bocchettas Inhaftierung in Verona, Flossenbürg und Hersbruck. Zugleich dokumentieren sie das Leben, Arbeiten und Sterben im Konzentrationslager mit einem Blick von nahezu schmerzhafter Unmittelbarkeit und Nähe.

Bocchetta zeigt die Menschen in ihrer existenziellen Verletzlichkeit und Fragilität: als Entwurzelte, Verlorene und Schutzsuchende. Daraus gehen immer wiederkehrende Bildmotive hervor, die sich durch das gesamte Werk Bocchettas ziehen, von den Zeichnungen über die Gemälde bis hin zu den Skulpturen. Ein Beispiel dafür ist das Motiv des Zudeckens und Einhüllens in den Werken „Die Decke“, „Der menschliche Ofen“ und weiteren Arbeiten.

Auch seine Befreiung hält Bocchetta als einen Moment äußerster Offenheit und Verletzlichkeit fest: Er wird von seinen Befreiern gebadet, sein Blick ist unmittelbar auf den Betrachter gerichtet. Der Rasurstreifen am Scheitel, ein charakteristisches Detail, das auch in anderen Zeichnungen erscheint, weist die Darstellung als Selbstdarstellung des Künstlers aus.

Die Decke, 1986 oder später

Der Menschenofen, 1986 oder später

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Collagen und Reliefs

Von seinen Erlebnissen im Flossenbürger Außenlager Hersbruck geprägt ist auch Bocchettas großformatiges Relief „Die ersten und die letzten (Happurg 1944-45)“, 2007 angefertigt aus Ölfarbe, Karton und Pappmaché. Drei Figuren in gestreifter Kleidung treten aus dem Eingang eines Tunnels heraus – Häftlinge des Außenlagers Hersbruck, die in Happurg einen Stollen in den Berg treiben müssen. Ihre Haltung ist gebeugt, ihre schweren Köpfe ragen aus dem Bild hervor und neigen sich dem Betrachter zu. Bocchetta verwendete hier – in starkem Kontrast zu seinen Zeichnungen – eine sehr vereinfachende, abstrahierende Bildsprache. Die Figuren haben keine Gesichter, ihre Gestalt, Haltung und Kleidung sind nahezu gleichförmig. Ohne individuelle Merkmale bilden sie eine anonyme Gruppe, ihre Identität ist ausgelöscht. „Happurg 1944-45“ zeigt keinen konkreten Augenblick und keine individuelle Erinnerung, sondern verdichtet vielmehr die gemeinsam erlebten Erfahrungen und das Leid vieler Menschen, die im Konzentrationslagersystem ausgebeutet, misshandelt und ihrer Identität beraubt wurden.

Die ersten und die letzten (Happurg 1944-45), 2007

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Gemälde

Die Traumata der NS-Opfer und ihrer Angehörigen, die Folgen des Krieges und das Fortwirken einer beschädigten Gesellschaft bilden weitere zentrale Motive in Bocchettas Werk. Als schemenhafte Kulisse ragen im Hintergrund des Gemäldes „Macerie“ zerstörte Häuser empor, davor hat sich eine Gruppe von zwölf Personen versammelt. Ihre weißen Köpfe ohne Gesichter, die auffallend langgezogenen Körper und die leicht gebeugte Haltung erinnern stark an die Gestaltung der Figuren im Relief „Happurg“. Auch ohne individuelle physiognomische Merkmale lassen sich die Dargestellten als Männer, Frauen und Kinder unterschiedlichen Alters erkennen. Während einige Figuren dem Betrachter zugewandt sind, richten andere ihren Blick auf die Kriegsruinen im Hintergrund. Obwohl sie eine größere Gruppe bilden, wirken diese Menschen vereinzelt und verloren, nahezu geisterhaft. Ob es sich um eine Familie oder um Fremde – möglicherweise Bewohner der zerstörten Häuser – handelt, bleibt offen. Die Umgebung wirkt unnatürlich und verfremdet, schmutzige Gelb- und Orangetöne liegen über der Szene wie der Widerschein und Rauch eines nahen Feuers. Die Kleidung der Figuren mit ihren leuchtenden Farben steht in Kontrast zu der unwirklichen Szenerie und verstärkt so die beklemmende Wirkung. „Macerie“ verdichtet die Folgen von Krieg und gesellschaftlicher Zerstörung zu einem Bild kollektiver Traumatisierung, in dem die Menschen als Entwurzelte und Verlorene in einer beschädigten Welt erscheinen.

Macerie (Trümmer), 2009